Notfall

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Sicherheitsmaßnahmen im Alter

Im Alter können schon kleine Verletzungen oder Infektionen schnell zu einem Notfall werden. Neben Gelenkproblemen sowie abnehmender Seh- und Muskelkraft, die das Sturzrisiko erhöhen, schwächen vor allem altersbedingte Erkrankungen die Gesundheit. Dazu zählen z. B. Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Bluthochdruck oder Diabetes.

Schnelles und richtiges Handeln im Notfall kann häufig Schlimmeres verhindern. Wichtig ist, dass Du darauf vorbereitet bist. Zentrale Maßnahmen sind:

  • Notfallnummern: Telefonnummern von Notärzten, Hämophilie-Ambulanz, Feuerwehr und Polizei sollten sichtbar neben dem Telefon liegen. Hast Du ein Handy, kannst Du dort wichtige Notfallnummern einspeichern. Auch ein Hausnotruf ist sinnvoll – mehr dazu im nächsten Abschnitt.
  • Notfallausweis: In Deinem Notfallausweis kannst Du alle wichtigen Informationen zu Deiner Hämophilie eintragen. So ist der Notarzt im Notfall gleich über Deine Gerinnungsstörung informiert und kann Kontakt zum Hämophilie-Zentrum aufnehmen. In unserem Servicebereich kannst Du den Notfallausweis ganz einfach kostenfrei anfordern. 
  • Faktorkonzentrat: Lagere stets eine Reservedosis Faktorkonzentrat im Haushalt. So kannst Du selbst oder ein Ersthelfer es im Notfall umgehend spritzen. Achte auf das Verfallsdatum des Faktorpräparats und tausche es regelmäßig durch ein neues aus. Verwendest Du das Faktorpräparat nur bei Bedarf, nimm stets eine Dosis mit, wenn Du das Haus verlässt. 
  • Angehörige: Häufig sind Angehörige die Ersthelfer. Deswegen sollten Partner, Kinder oder andere Dir nahestehende Personen im Notfall die Faktorsubstitution vornehmen können.
  • Hämophilie-Zentrum: Planst Du einen Ausflug oder eine Reise, erkundige Dich über Hämophilie-Zentren in Deiner Nähe. Plane auch die Strecke von Deinem Aufenthaltsort zum nächsten Hämophilie-Zentrum. Viele weitere Tipps rund um Deine Reise findest Du hier.
  • Medizinische Dokumente: Hast Du weitere Erkrankungen oder Einschränkungen, die im Notfall berücksichtigt werden müssen? Bewahre wichtige Informationen zu Deinem Gesundheitszustand an einem festen Platz auf. Falls Du einmal ins Krankenhaus musst, können Deine Angehörigen die Dokumente so problemlos finden und nachbringen.

Viele weitere wichtige Notfallmaßnahmen sowie Tipps für Deine Notfalltasche findest Du hier.

Älterer Mann mit Notrufknopf

Hausnotruf: Der Senioren-Alarm

Vermutlich wünscht sich jeder, im Kreise seiner Familie alt zu werden. Doch häufig leben Senioren allein. Für den Fall, dass sie stürzen und nicht mehr aus eigener Kraft aufstehen können, wurde der Hausnotruf entwickelt: Er garantiert schnelle Hilfe im Notfall.

Bei Bedarf trägst Du rund um die Uhr einen kleinen Sender am Körper, meist in Form einer Kette oder eines Armbands. Ist Gefahr im Verzug, drückst Du den Knopf des Senders und wirst automatisch mit einer Notrufzentrale verbunden.

Stürze vermeiden

Unfälle sind keine Zufälle und viele Stürze im Alter lassen sich vermeiden. Physiotherapeuten sowie einige Volkshochschulen bieten Kurse zur Sturzprävention an. Dort trainierst Du Kraft und Gleichgewicht und lernst, wie Du Stürze vermeiden kannst. Frage Deinen Arzt nach einem passenden Kurs.

Mit einfachen Maßnahmen kannst Du zudem Deine Wohnung sturzsicher machen, z. B.:

  • Beseitige alle Stolperfallen, z. B. rutschige Teppiche oder umherliegende Kabel.
  • Bringe Haltegriffe an Dusche, Badewanne, Toilette und Treppen an.
  • Sorge für eine gute Beleuchtung in allen Räumen, auch in Flur, Bad und Keller.
  • Trage feste Hausschuhe, aus denen Du nicht herausrutschen kannst.

Mögliche Verletzungen und medizinische Eingriffe im Alter

Im Folgenden geht es um typische Blutungen im Alter sowie Erste-Hilfe-Maßnahmen. Bitte beachte, dass die aufgeführten Symptome beispielhaft sind. Verletzungen und Blutungen können sich auch durch andere Beschwerden äußern. Halte bei Fragen umgehend Rücksprache mit Deinem Hämophilie-Behandler. Bei Verdacht auf eine Hirnblutung oder andere innere Blutungen – etwa nach einem Sturz oder Stoß – verständige sofort den Rettungsdienst unter der 112.

Kopfverletzungen

Jüngere Menschen stützen sich bei einem Sturz meist reflexartig mit ihren Händen ab und verhindern so eine Kopfverletzung. Bei älteren Menschen sind die Reflexe häufig verzögert. Das Risiko, dass sie bei einem Sturz auf den Kopf fallen, ist daher höher. Da bei einer Kopfverletzung immer die Gefahr einer Hirnblutung besteht, ist besondere Vorsicht geboten.

Notfall Kopf

Hinweise auf eine Hirnblutung können sein:

  • anhaltende oder stärker werdende Kopfschmerzen,
  • schmerzender oder steifer Nacken,
  • Bewusstlosigkeit (auch für sehr kurze Zeit),
  • Übelkeit und Erbrechen,
  • Gleichgewichtsstörungen.

Sofort-Maßnahmen und Behandlung

Beim geringsten Verdacht auf eine Hirnblutung, wähle sofort die Notruf-Nummer 112 und verständige den Rettungsdienst. So kann Dir auf dem schnellsten Wege geholfen werden.

Je nach Schwere der Verletzung ist außerdem eine sofortige Faktorgabe notwendig. Kontaktiere daher auch Deinen Hämophilie-Behandler und besprich mit ihm das Vorgehen. Trifft der Notarzt ein, übergib ihm sofort den Notfallausweis und ggf. das Faktorpräparat, falls Du es nicht bereits verabreicht hast.

Gelenkblutungen

Früher konnten Blutungen nicht so effektiv behandelt werden wie heute. Ältere Menschen mit Hämophilie haben daher häufig ein oder mehrere sogenannte Zielgelenke (engl. target joints) ausgebildet. Das sind Gelenke, die besonders anfällig für Einblutungen sind. Die betroffenen Gelenke haben sich oft mit der Zeit verändert und versteift. Mit jeder neuen Einblutung in das Zielgelenk kann sich der Gelenkstatus weiter verschlechtern. Darum ist es wichtig, neue Gelenkblutungen sofort zu behandeln.

Notfall Kniegelenk

Hinweise auf eine Gelenkblutung sind:

  • Schmerzen im Gelenk,
  • geschwollene und/oder steife Gelenke,
  • eingeschränkte Beweglichkeit der Gelenke,
  • warme Haut über dem Gelenk,
  • Kribbeln oder Blubbern im Gelenk,
  • Wärmegefühl im Gelenkinneren.

Sofort-Maßnahmen und Behandlung

In der Regel erfordert eine akute Gelenkblutung eine Faktorgabe. Ruf daher sofort Deinen Arzt an und besprich das weitere Vorgehen. Hast Du zudem Schmerzen, kann Dein Arzt sie gezielt behandeln.

In der nächsten Zeit braucht Dein Gelenk Ruhe. Du kannst es leicht erhöht lagern und die Schwellung vorsichtig mit einem Kühlkissen kühlen.

Begleitend zur medizinischen Behandlung empfinden einige Patienten auch das sogenannte Tapen als angenehm. Tape-Verbände bzw. Kinesio-Tapes sind selbstklebende Bänder, die das Gelenk stützen sollen. Ob diese Methode tatsächlich einen Nutzen hat, ist wissenschaftlich nicht erwiesen. Frag Deinen Arzt, ob er Dir diese Möglichkeit empfiehlt. Das Tapen erfordert zudem Fachwissen und Übung. Lass Dich daher von einem ausgebildeten Fachmann, z. B. einem Physiotherapeuten, tapen bzw. intensiv einweisen. Die Kosten für ein Kinesio-Taping tragen Patienten in der Regel selbst.

Nieren- oder Blasenblutungen

Nierenblutungen können insbesondere bei einem Schlag oder Stoß in den Nierenbereich auftreten. Bei schwerer Hämophilie kann es aber auch zu spontanen Blutungen kommen.

Hinweise auf Nieren- oder Blasenblutungen sind:

  • roter oder rotbrauner Urin,
  • starke Schmerzen im unteren Rückenbereich,
  • häufiges und/oder schmerzhaftes Wasserlassen.

Sofort-Maßnahmen und Behandlung

Nieren- und Blasenblutungen müssen schnell ärztlich behandelt werden. Setz Dich daher sofort mit Deinem Arzt in Verbindung.

Blutungen nach Zahnbehandlungen

Auch Zähne, Kiefer und Zahnfleisch altern. Um Zähne zu erneuern, Implantate einzusetzen oder ein Gebiss anzupassen, sind meist umfassende Behandlungen notwendig. Wichtig ist, dass Du frühzeitig Deinen Hämophilie-Behandler miteinbeziehst. Er tauscht sich mit Deinem Zahnarzt aus und erstellt einen Spritzen- bzw. Substitutionsplan für Dich. Hier findest Du weitere Informationen zu medizinischen Eingriffen bei Hämophilie.

Maßnahmen nach der Behandlung

Um Schwellungen und/oder Schmerzen vorzubeugen, kannst Du den betroffenen Mundbereich von außen kühlen. Wickel das Kühlkissen in ein Handtuch ein, um Deine Haut zu schützen.

Blutungen bei Hämorrhoiden

Mit dem Alter steigt das Risiko, dass sich Hämorrhoiden vergrößern und Probleme bereiten. Vor allem bei Menschen, die häufig an Verstopfung leiden und beim Stuhlgang starken Druck auf den Enddarm ausüben, kann ein Hämorrhoiden-Leiden entstehen.

Hinweise auf vergrößerte Hämorrhoiden sind:

  • Juckreiz, Nässen oder Brennen am After,
  • hellrote Blutspuren auf dem Toilettenpapier oder dem Stuhl.

Maßnahmen und Behandlung

Stellst Du Blut im Stuhl fest, kontaktiere umgehend Deinen Arzt. Es können auch andere Erkrankungen dafür verantwortlich sein. Hämorrhoiden behandelt Dein Arzt je nach Größe und Beschwerden. Bei leicht vergrößerten Hämorrhoiden hilft es häufig, den Stuhlgang zu verbessern. Verstopfungen kannst Du z. B. schon mit wenigen Änderungen in Deinem Speiseplan vorbeugen. Lass Dich dazu ausführlich von einem Ernährungsberater beraten. Hier erfährst Du zudem, wie sich unsere Ernährung im Alter verändert und wie Du Dich weiterhin gesund und genussvoll ernährst.